{"id":370,"date":"2016-01-03T14:15:53","date_gmt":"2016-01-03T13:15:53","guid":{"rendered":"https:\/\/wildhaber.com\/?p=370"},"modified":"2018-09-11T18:50:33","modified_gmt":"2018-09-11T17:50:33","slug":"digitalisierung-der-naechste-suendenbock-ein-unternehmerischer-ausblick-auf-das-jahr-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wildhaber.com\/index.php\/digitalisierung-der-naechste-suendenbock-ein-unternehmerischer-ausblick-auf-das-jahr-2016\/","title":{"rendered":"Digitalisierung- der n\u00e4chste S\u00fcndenbock?"},"content":{"rendered":"<p>In verschiedenen Artikeln von renommierten Medien wurde in den letzten Monaten vor den Gefahren der Digitalisierung gewarnt. Ins gleiche Horn st\u00f6sst der aktuelle Economiesuisse <a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/wirtschaft\/2016-koennen-wir-keinen-grossen-aufschwung-erwarten\/story\/15464046\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Pr\u00e4sident Heinz Karrer<\/a>. Dabei wird immer wieder dieselbe Studie zitiert, n\u00e4mlich eine Untersuchung der Universit\u00e4t Oxford. Darin wird auf die Gefahr des Verschwindens von \u00fcber 90 % bestimmter Arbeitsstellen hingewiesen. Begr\u00fcndet wird die Abnahme bestimmter Jobs v.a. durch die fortschreitende Digitalisierung.<\/p>\n<p>Wie in unserem Buch <a href=\"https:\/\/wildhaber.com\/index.php\/leitfaden-information-governance\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eInformation Governance\u201c<\/a> ausf\u00fchrlich beschrieben, haben sich bereits viele Vordenker, unter anderem J\u00e9rome Lanier, mit diesem Ph\u00e4nomen befasst. In diesem, von ihm behandelten Kontext geht es um die Gefahr des Datensammelns. Es entsteht eine schleichende Konzentration der Machtverh\u00e4ltnisse auf die potentesten Datensammler. Lanier schliesst daraus, dass den meisten Gesch\u00e4ftsmodellen das Schicksal der Musikindustrie droht. Solche Gedanken m\u00fcssen wir ernst nehmen, auch wenn wir sie heute vielleicht als \u00fcberzogen bewerten,<\/p>\n<p>Eine n\u00fcchterne Betrachtung dieser Artikel und Mutmassungen l\u00e4sst jedoch immer nur den einen Schluss zu: Wir sind schon seit Jahren daran, manuelle T\u00e4tigkeiten durch die technische Weiterentwicklung abzul\u00f6sen. Dies ist keine neue Entwicklung und findet so seit der Industrialisierung statt. Es sollte also nicht prim\u00e4r dar\u00fcber lamentiert werden, dass diese Stellen einen Wechsel erfahren oder verschwinden, sondern, WIE sie kompensiert werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Kompensation kann hier zweierlei bedeuten:<\/p>\n<ol>\n<li>Bereitstellung von finanziellen Mitteln zu Gunsten der \u201eGesch\u00e4digten\u201c, also Personen, die \u201edummerweise\u201c den falschen Beruf erlernt haben (Stichwort Grundeinkommen).<\/li>\n<li>Die Schaffung neuer Jobprofile, die sich den Digitalisierungstendenzen entziehen.<\/li>\n<li>Ein unternehmerisches Handeln, welche die erw\u00e4hnten Aspekte ber\u00fccksichtig.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Auf Punkt 1 werde ich hier nicht weiter eingehen, wenngleich dies ein interessanter, allerdings heute politisch fast aussichtsloser Ansatz ist. Er wird uns in Zukunft aber sicherlich noch besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Meiner Meinung nach hat die zweite Strategie klar ihre Grenzen. Denn es wird sich nicht vermeiden lassen, dass viele Jobs, die heute als reine Hilfsjobs eingestuft werden, verschwinden werden.<\/p>\n<p>Es wird sich also jeder Unternehmer die Frage stellen m\u00fcssen, wie die erzeugte Wertsch\u00f6pfung verteilt werden kann, dass sie auch den Verlierern zukommt. Die Gewinnmaximierung im Interesse der Aktion\u00e4re wird sich mit der Versch\u00e4rfung der Arbeitslosigkeit nicht mehr rechtfertigen lassen. Gleichzeitig l\u00e4sst sich aber auch nicht rechtfertigen, dass Jobs beliebig ins Ausland verschoben werden. Die Verschiebung von Jobs geschieht meistens unter dem Deckmantel der Kosteneinsparung. H\u00e4tten die Unternehmen ihre realen Gestehungskosten tats\u00e4chlich im Griff, dann w\u00fcrden sie sehr schnell feststellen, dass Kommunikationsverluste, welche sie in Zusammenarbeitsmodellen mit vernetzten internationalen Standorten entstehen, die vermeintliche Kosteneinsparung mehr als kompensieren.<\/p>\n<p>Was bedeutet dies nun f\u00fcr den verantwortungsbewussten Unternehmer in der Schweiz? Hier einige Grunds\u00e4tze, die mir in diesem Zusammenhang als wichtig erscheinen:<\/p>\n<ol>\n<li>1<strong>. \u201eAll Business is local\u201c<\/strong> bleibt ein zentrales Strategieelement. Viele Produkte werden bewusst bei lokalen Anbietern gekauft, weil der Mehrwert des neuen Zugangs und der besseren Qualit\u00e4t eine wesentliche Rolle spielt. Dies gilt vor allem f\u00fcr hochwertige Produkte, wird sich aber auch auf weitere Angebote ausdehnen. Wir werden eine st\u00e4rkere Abschottung der M\u00e4rkte sehen, die Globalisierung hat ihr Limit erreicht.<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong>Die Digitalisierung ist der Auslagerung von Arbeitspl\u00e4tzen vorzuziehen.<\/strong> Im Zusammenhang mit Grundsatz eins stellt man immer wieder fest, dass es vielfach wesentlich sinnvoller w\u00e4re, bestimmte Gesch\u00e4ftsprozesse zu automatisieren, statt sie an ein unf\u00e4higes Dienstleistungszentrum auszulagern. Lieber vereinfachte und g\u00fcnstige Prozesse im Inland, als komplizierte und schwerf\u00e4llige im Ausland, denn <strong>Zeit bleibt Geld<\/strong>. Das Potenzial ist hier enorm und noch lange nicht ausgesch\u00f6pft.<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong>Es gibt T\u00e4tigkeiten, die man heute als hochqualifiziert bezeichnet, dies freilich nie waren<\/strong>. Ich denke hier z.B. an die Programmierung. Eine T\u00e4tigkeit, die man eigentlich schon lange h\u00e4tte automatisieren k\u00f6nnen. Hier soll den die Automatisierungsm\u00f6glichkeiten tats\u00e4chlich ausgesch\u00f6pft, bzw. stark verbessert werden. Hier besteht ein grosses Kostenersparnispotenzial.<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"4\">\n<li><strong>Weg von der Anonymisierung und der Automatisierung von Kundenanbindungen<\/strong>. Kunden wollen von einem echten Menschen bedient werden. Automatisierte Portale m\u00f6gen zwar eine nette technische Spielerei sein, sie ersetzen jedoch den Mensch zu Mensch Kontakt nie. Wenn eine Ur-Schweizer Firma sich erlaubt, einen automatisierten Help Desk im Ausland einzurichten, dann verspielt sie damit bereits 50% ihrer Glaubw\u00fcrdigkeit.<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"5\">\n<li><strong>Es gibt Gesch\u00e4ftsmodelle die sich nicht daf\u00fcr eignen, automatisiert zu werden. <\/strong>Dazu geh\u00f6ren meiner Meinung nach Finanzberatungen, obwohl dies die <a href=\"https:\/\/wildhaber.com\/index.php\/blockhains-oder-wann-wird-der-naechste-nerd-durchs-dorf-getrieben\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Fintech Auguren<\/a> derzeit zu widerlegen versuchen.<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"6\">\n<li>Wehren Sie sich gegen das \u00dcberhandnehmen der <strong><a href=\"https:\/\/wildhaber.com\/index.php\/der-standardisierungswahnsinn\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Normierung und den Regulierungswahn<\/a><\/strong>. Was wir in den letzten 20 Jahren am Produktivit\u00e4t gewonnen haben, haben wir zur H\u00e4lfte durch v\u00f6llig sinnlose Normierungen und Standards vernichtet. Wir schaffen sinnlose Jobs und versuchen, diese mit Ressourcen zu besetzen, die sich noch nicht einmal im Inland befinden. Das ist \u00f6konomisch gesehen ein v\u00f6lliger Bl\u00f6dsinn und so rasch als m\u00f6glich abzustellen. So leid es mir tut, aber es gibt Dienstleistungsbranchen, die ihr Kerngesch\u00e4ft mit 50% des Personalbestands problemlos abwickeln k\u00f6nnten. Im Rahmen von Kundenmandaten trifft man immer wieder auf Wertvernichtungen unter dem Denkmantel der \u201eCompliance\u201c, die einem die Haare zu Berge stehen lassen.<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"7\">\n<li>Suchen Sie nur <strong>hochqualifizierte Fachkr\u00e4fte, die dieses Pr\u00e4dikat auch verdienen<\/strong>. 90 % der so genannt hochqualifizierten Jobs verdienen dieses Pr\u00e4dikat in keiner Art und Weise. Braucht man eine hochqualifizerte Pers\u00f6nlichkeit, dann nimmt man auch ein halbj\u00e4hriges Bewilligungsverfahren in Kauf.<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"8\">\n<li><strong>Folgen Sie nicht den gro\u00dfen Beratungsunternehmen wie McKinsey &amp; Co<\/strong>., sondern stellen sie sich ihre eigenen Gedanken an. Das ist zwar keine neue Weisheit, doch man stellt immer wieder fest, dass Verwaltungsr\u00e4te gnadenlos kopieren, was ihre \u201ePeer\u201e-Organisation gerade getan hat. Bestes Beispiel dazu ist das Outsourcing wurde von vermeintlich unterqualifizierten B\u00fcrojobs. in Unkenntnis der realen Kosten, werden die Jobs ausgelagert, was zu den bereits oben erw\u00e4hnten Nachteilen f\u00fcr das Unternehmen f\u00fchrt. Frei nach Dilbert \u201eWenn alle nur noch \u201ebest practice\u201c machen, sind sie alle nur noch mittelm\u00e4ssig\u201c.<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"9\">\n<li><strong>Als Verwaltungsrat sind sie in der Pflicht, sich auch dar\u00fcber Gedanken zu machen, wie sich das Unternehmen trotz all dieser Widrigkeiten im Sturm bewegen kann.<\/strong> Viele gute Beispiele werden Ihnen zeigen, dass dies auch weiterhin m\u00f6glich ist. Das allgemeine Lamentiergehabe, welche sich derzeit ausbreitet, ist wohl das beste Gift zur Ausrottung einer gesunden Wirtschaft.<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"10\">\n<li><strong>Vernetztes Denken ist Pflicht und er kann sich weder auf die Ratschl\u00e4ge von \u00fcberbezahlten Funktion\u00e4ren noch Politikern verlassen.<\/strong> Lassen Sie Doom-Propheten wie Karrer und Co. links liegen, die ihre Sporen als Sch\u00f6nwetterkapit\u00e4ne verdient haben und uns jetzt erz\u00e4hlen wollen, worauf wir achten sollen. Dies gilt auch f\u00fcr Sch\u00f6nwetterpolitiker, die uns vormachen wollen, dass wir die Sch\u00f6nsten und Besten sind.<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong><em>Denken Sie selbst nach, handelt sie als Unternehmer machen sie Dinge, welche nicht \u201ein\u201c sind. Setzen Sie sich mit Ihren Arbeitnehmern aktiv auseinander und lassen Sie auch sie zu Wort kommen. <\/em><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In verschiedenen Artikeln von renommierten Medien wurde in den letzten Monaten vor den Gefahren der Digitalisierung gewarnt. 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