{"id":1442,"date":"2025-09-16T14:51:35","date_gmt":"2025-09-16T13:51:35","guid":{"rendered":"https:\/\/wildhaber.com\/?p=1442"},"modified":"2025-09-16T16:54:03","modified_gmt":"2025-09-16T15:54:03","slug":"das-epd-2-0-misserfolg-garantiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wildhaber.com\/index.php\/das-epd-2-0-misserfolg-garantiert\/","title":{"rendered":"Das EPD 2.0 \u2013 Misserfolg garantiert"},"content":{"rendered":"<a href=\"mailto:info@wildhaber.com?subject=Neue%20Wege%20im%20Gesundheitswesen%20-%20weg%20vom%20EPD%20zur%20datenbasierten%20Gesundheitsversorgung&#038;body=Bitte%20senden%20Sie%20mir%20Ihren%20vollst%C3%A4ndigen%20Report%20zu%20den%20Erfahrungen%20mit%20dem%20ePD%20und%20neuen%20L%C3%B6sungsans%C3%A4tzen%20f%C3%BCr%20ein%20datenbasiertes%20Gesundheitswesen\" class=\"btn button btn-shortcode kad-btn kad-btn-primary\" id=\"kadbtn811\" target=\"_self\" style=\"color:#222;\"onMouseOver=\"this.style.background='',this.style.color='#FFF'\" onMouseOut=\"this.style.background='', this.style.color='#222'\">Bestellung Vollversion<\/a>\n<h2>Weshalb das System radikal neu gedacht werden muss (Zusammenfassung)<\/h2>\n<p>Das Elektronische Patientendossier (EPD) der Schweiz ist gescheitert. Die Zahl aktiver Dossiers liegt bei rund 70&#8217;000 \u2013 in einem Land mit \u00fcber 8 Millionen Einwohnern. Die Akzeptanz? Gegen null. Statt am toten Pferd EPD herumzudoktern, braucht es einen klaren Schnitt \u2013 und einen grundlegend neuen Ansatz.<\/p>\n<p>Ich besch\u00e4ftige mich seit \u00fcber 20 Jahren mit dem EPD, urspr\u00fcnglich vor allem im Zusammenhang mit Sicherheitsfragen. Damals war ich begeistert: Endlich dachte jemand fr\u00fchzeitig \u00fcber Datenschutz und Zugriffskontrolle nach. Doch bald wurde klar \u2013 selbst die beste Sicherheit n\u00fctzt nichts, wenn niemand weiss, wie das System zu bedienen ist oder was es bringen soll. Die dezentrale Architektur mag sicherheitstechnisch sinnvoll gewesen sein, stellte technisch aber eine riesige H\u00fcrde dar. Die Folge: exorbitante Kosten bei praktisch null Nutzen. Die heutigen EPD-L\u00f6sungen sind benutzerunfreundlich, veraltet und wirken wie aus den 1980er-Jahren.<\/p>\n<p>Der Bund plant nun, das EPD-Gesetz zu revidieren und neue technische Ans\u00e4tze vorzuschlagen. Doch auch diese Reform wird scheitern, wenn nicht endlich die zentralen Fragen gestellt werden: Wer nutzt das EPD \u2013 und warum \u00fcberhaupt? Heute sind es vor allem technikaffine Menschen und Fachleute mit Interesse an Gesundheits-IT. Die breite Bev\u00f6lkerung \u2013 die eigentlich profitieren sollte \u2013 bleibt draussen. F\u00fcr sie ist das EPD ein technisches Kuriosum ohne Mehrwert.<\/p>\n<pre>Niemand kauft freiwillig die zweite Version eines Produkts, dessen erste Version schon ein kompletter Flop war.<\/pre>\n<p>Der Begriff \u00abEPD\u00bb ist verbrannt \u2013 Marketingtechnisch nicht mehr zu retten. Ein EPD 2.0 suggeriert Kontinuit\u00e4t, wo ein kompletter Neuanfang n\u00f6tig w\u00e4re. Neue Technik allein bringt nichts, solange nicht die grundlegenden Anreizsysteme \u00fcberdacht werden. Selbst bei einer Pflicht zur Nutzung durch Leistungserbringer bleibt die zentrale Frage ungel\u00f6st: Worin besteht der pers\u00f6nliche Nutzen f\u00fcr alle Beteiligten? Heute: Inexistent.<\/p>\n<p>Nur wer einen klaren Vorteil sieht \u2013 \u00f6konomisch oder gesundheitlich \u2013 wird Gesundheitsdaten aktiv nutzen oder teilen. Ich spreche als Patient: Ich habe keinen Anreiz, ein EPD zu er\u00f6ffnen. Technisches Interesse? Vielleicht. Konkreter Nutzen? Fehlanzeige.<\/p>\n<p>Vergessen wir den Begriff EPD. Streichen wir ihn aus unserem Wortschatz. Was wir brauchen, ist ein digitales Gesundheitswesen, das echten Nutzen stiftet \u2013 f\u00fcr Patientinnen, Leistungserbringer und alle anderen Akteure. Die Nutzung von Gesundheitsdaten muss zu einer sp\u00fcrbaren Verbesserung der Versorgung f\u00fchren.<\/p>\n<p>Chronische Krankheiten verursachen \u00fcber 80 % der Gesundheitskosten in der Schweiz. Genau hier liegt das Potenzial: Daten k\u00f6nnen helfen, chronisch Kranke besser zu betreuen, Komplikationen zu vermeiden und Kosten massiv zu senken. Aber daf\u00fcr braucht es ein datenbasiertes System mit echten Anreizen \u2013 nicht ein Papiertiger namens EPD 2.0.<\/p>\n<p>Robert Pearl, Ex-CEO von Kaiser Permanente, hat am Forum 2025 des Gesundheitsdatenraums (gesundheitsdatenraum.ch) gezeigt, was m\u00f6glich ist: Mit KI, digitalen Tools und Capitation-Modellen lassen sich Milliarden sparen \u2013 und gleichzeitig Qualit\u00e4t und Patientenzufriedenheit erh\u00f6hen. In Capitation-Modellen erhalten \u00c4rztinnen eine Pauschale pro Versicherten \u2013 und verdienen dann am meisten, wenn ihre Patientinnen gesund bleiben. Das ist das Gegenteil unseres Systems, das Krankheit belohnt und Pr\u00e4vention ignoriert.<\/p>\n<p>Die konservative Sch\u00e4tzung: 10\u201320 % Einsparung bei den Kosten chronischer Krankheiten \u2013 das sind bis zu 15 Milliarden Franken j\u00e4hrlich. Und das mit besserer Versorgung. Das heutige System ignoriert chronisch Kranke, obwohl diese den L\u00f6wenanteil der Kosten verursachen. Ein datenbasiertes, patientenzentriertes Modell wie bei Kaiser Permanente oder Buurtzorg in den Niederlanden zeigt: Es geht \u2013 wenn man will.<\/p>\n<p>Daten entstehen nicht nur beim Arztbesuch \u2013 sie entstehen im Alltag. Die Patientin muss dabei im Zentrum stehen, sie besitzt ihre Daten, sie entscheidet \u00fcber deren Nutzung. Je transparenter sie ihre Daten teilt, desto gr\u00f6sser der Nutzen \u2013 f\u00fcr sie selbst und das System. Mit heutigen Technologien lassen sich selbstverwaltete Gesundheitsnetzwerke bauen, die Versicherung, Versorgung und Datenhoheit verbinden. Dogmatische Debatten \u00fcber Standards sind \u00fcberfl\u00fcssig \u2013 gebaut wird bottom-up, pragmatisch, schlank.<\/p>\n<p>Fazit: Ein EPD 2.0 spart keinen Rappen. Was es braucht, ist ein radikaler Umbau. Vom Patienten her gedacht, digital, \u00f6konomisch sinnvoll und endlich mit echtem Anreiz zur Pr\u00e4vention. Wer glaubt, mit ein paar Gesetzesrevisionen sei das Problem gel\u00f6st, hat die Realit\u00e4t verpasst.<\/p>\n<p>PS: Die \u00fcbliche Kakophonie aus Politik, Verwaltung und Lobbyverb\u00e4nden verdient kein weiteres Wort. In 50 Jahren hat dieses Bermuda-Dreieck keinen einzigen Franken bei den Gesundheitskosten gespart. Die L\u00f6sung kommt von unten \u2013 oder gar nicht. Wenn die Pr\u00e4mien weiter explodieren, wird die Revolution unausweichlich.<\/p>\n<p>PPS: Das ist keine offizielle Stellungnahme des Gesundheitsdatenraums Schweiz sondern enth\u00e4lt ausschliesslich die pers\u00f6nlichen Meinung des Autors<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weshalb das System radikal neu gedacht werden muss (Zusammenfassung) Das Elektronische Patientendossier (EPD) der Schweiz ist gescheitert. 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